Christine Rieck-Sonntag
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Plovdiv - Die im Folgenden gezeigten Bilder sind Serigrafien, Format 40 x 40 cm oder 26 x 20 cm

Bulgarien - die Wiege Europas? Europas Geschichte kann man in Bulgarien erklettern. Ein Stockwerk unter den byzantinischen Backsteinkirchen Sofias liegt Serdika, die Stadt der Römer. Auch die Römer wurden schon angezogen von den Hunderten von heißen Quellen, vom Klima am Fuß des Vitoscha-Gebirges, wie auch von der strategischen Lage. Bulgarien war immer schon Zentrum. Nicht nur unsere Zugvögel kreuzen das Land auf dem Weg nach Afrika. Auch die ersten Menschen, die von Afrika nach Europa wanderten, zogen auf dieser "Balkanroute". Sie überquerten den Bosporus - die Sintflut hatte noch nicht stattgefunden, die Landenge war noch nicht durchbrochen. Wir suchten auf unserer Studienreise nach Spuren aus der Frühzeit der Menschheit, der Frühzeit Europas. In der Magurahöhle sahen wir Wandmalereien aus Fledermauskot - 35 tausend Jahre alt! In den Rhodopen bestiegen wir "Perperikon", einen Kultberg seit der Steinzeit, beopfert bis ins Mittelalter. Meterhohe in den Berg gehauene Stufen kletterten wir hinauf, standen am Heiligtum des Dionysos, zu dem vor uns schon Alexander der Große pilgerte und um Weissagung bat. In Troja und Mykene war Perperikon bekannt. Auch die Goldmine daneben. Das weckte Neid. Doch die Thrakischen Stämme wussten ihr Großreich zu verteidigen.
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Wir erkletterten die nächste Schicht der Geschichte: Mit oströmischen Kirchen wurden die archaischen Ruinen überbaut, Reste eines Bischofsaltars stehen hier oben: wir stolperten jetzt durch die Zeitschichten des Christentums: Mission, Konzilien, Glaubensstreit, Schisma und Spaltung - bis dann im 14. Jahrhundert die muslimischen Osmanen alles überrennen. Perperikon fällt, verfällt. Aber ganz oben, ein wenig abseits, zeugt eine kleine, in den Granit gekratzte menschliche Figur von noch älterer Kultur. Und auch Tatul liegt nahe. Tatul, wo man das "Grab des Orpheus" verehrt. Orpheus, der Sänger, der noch wusste und berichtete von Menschen, die anders lebten. "Donauzivilisation" nennen sie die Archäologen. Lange vor dem Pharao mit seinen Pyramiden, vor den Sumerern und den Hetithern, vor Mose und Abraham, vor dem Judentum und dem Christentum gab es am Ufer des Schwarzen Meeres eine Hochzivilisation, mit Handel und Kultur, - aber ohne Kriege. Eine egailitäre, gleich-berechtigt organisierte Kultur, die keine Hierarchie kannte, weder im Himmel noch auf Erden. Das ist die "Wiege Europas". Ein Traum für Europa? Ein Traum - aber keine leere Phantasie. Wir sahen archäologische Funde in den Museen in Sofia und in Plovdiv. Im TrakArt-Museum führte uns der Chef selbst mit Begeisterung. Und wir schenkten ihm dafür die endlich auf Bulgarisch übersetzten Arbeiten von Harald Haarmann, die sprachwissenschaftlich die archäologischen Funde untermauern. Eine friedliche Wiege, aus der Europa kam? Ein Traum zum daran arbeiten. Um damit in die Zukunft zu klettern. (Christine Rieck-Sonntag)



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